Hessen will den Radsport an seinen Schulen weiter fördern. Aus diesem Grund informierte sich Kultusminister Alexander Lorz am Mittwochnachmittag (1.11.2017) in Groß-Umstadt über die entsprechenden Aktivitäten der Ernst-Reuter-Schule. Diese war 2016 zur fahrradfreundlichsten Schule Deutschlands gekürt worden. Auf dem Pumptrack, einer speziell angelegten, asphaltierten Strecke mit Wellen, Kurven und Sprüngen, zeigten Schüler und Lehrer dem Minister, wie die Idee der „Bikeschools“ an andere Schulen weitergetragen werden könnte.

Mittlerweile gibt es mehr als 30 so genannte Bikeschools in Hessen mit speziellen Konzepten und ausgebildeten Sportlehrern. Bis Ende Oktober sind bereits rund 300 Lehrer aus mehr als 200 Schulen weitergebildet worden. Dabei geht es um Fahrtechnik, Organisation und Sicherheit auf dem Mountainbike. Und wenn es am Rad etwas zu reparieren, zu warten und zu pflegen gibt, soll in der Fahrradwerkstatt das nötige Know-How erlernt werden.

Das Ganze findet unter dem Dach des „Bikepool Hessen“ statt, eines gemeinnützigen Vereins, der sich für die Umsetzung von Fahrradangeboten an Schulen, ein fahrradfreundliches Umfeld und die Schulung interessierter Lehrkräfte engagiert. Darüber hinaus unterstützt er mit Hilfe der AOK Hessen Schulen bei der Anschaffung von Mountainbikes. Pro Jahr werden bis zu 25 Schulen mit hochwertigen Rädern inklusive Werkstattzubehör ausgestattet.

Friedbert Metz, Leiter der Bikeschool an der Ernst-Reuter-Schule, erklärte, es brauche starke Partner in der Region, um solche neuen Ideen zu entwickeln, wie sie hier im Zusammenwirken vieler Kräfte entstanden sei. Nun habe man in Groß-Umstadt mit dem Pump-Track eine „sehr tolle Anlage“, die einzige ihrer Art in Hessen.

Auf dieser zeigten Schüler ihr Können, bevor auch der Kultusminister aufs Rad gebeten wurde. Lorz schwang sich, nach einigen Trockenübungen und kurzer Unterweisung, aufs Mountainbike, nicht ohne vorher seine Anzughose mit einer Wäscheklammer am Bein zu fixieren. Eine deutlich klarere Vorstellung hatte der Minister nach der Bewältigung des kleinen Anfängerparcours, wie er anschließend einräumte. „Man muss solche Dinge einfach in Aktion erleben. Man kann darüber immer viel lesen und sich Fotos anschauen, wenn man aber live dabei ist und mit den Menschen spricht und selber mal sowas ausprobiert“, sagte er, „das ist schon was Anderes“. Wenn man so wie er sein Leben lang nur das normale Tourenrad gefahren habe, sei dies hier schon sehr gewöhnungsbedürftig. „Ich glaube, ich müsste schon bisschen trainieren, um da mal wirklich um den Track zu kommen.“ Ganz ungewohnte Bewegungen seien das gewesen.

Man werde die Idee der „Bikeschools“ sicherlich weiter in die Fläche tragen können, auch mit Hilfe der Hessen-AOK, was die Anschaffung von Fahrrädern betreffe, so Lorz. „Wir werden von unserer Seite auf jeden Fall in Lehrerfortbildung investieren, das ist ja das A und O. Ohne die entsprechenden Lehrer funktioniert das nicht. Und dann hoffe ich, dass noch viele Kommunen so wie Groß-Umstadt, vielleicht auch mit der Hilfe von Landesmitteln, in so einen Pumptrack oder eine vergleichbare Anlage investieren.“

Im anschließenden Austausch und Gesprächen zeigte sich: „Es sind viele Ideen, die wir weitergeben.“ Wenn man schon über einen eigenen Fahrradmechaniker verfüge und sich als Schule nach außen hin öffne, „so ist das eine tolle, fruchtbare Sache“, sagte Friedbert Metz. Die Schüler übernähmen Verantwortung für das Rad, kümmerten sich und nutzten in Gemeinschaft nicht nur ein umweltfreundliches, gesundes und preiswertes Verkehrsmittel, sondern auch ein vielseitiges Sportgerät.

Text: Dorothee Dorschel
Bilder: Fotoclub Groß-Umstadt- bikepool Hessen